Jost`s Radsportimpressionen

Eigentlich wollte ich ja nur mal „Race am Rhein“ mitfahren.

Als ehemaliger Düsseldorfer Rennfahrer betrachtete ich das Vorbereitungsrennen zur Tour de France in Düsseldorf als Pflichtveranstaltung. Ich kramte ein Rad aus dem Keller, brachte es auf Hochglanz und fuhr das Rennen mit. Als Ergebnis stand ein 27. Platz in meiner Altersklasse zu Buche und das ohne nennenswertes Training. Da ich eh nach 12 Jahren Laufsport an einer hartnäckigen Knieverletzung laborierte, entwickelte sich der Gedanke, ich könnte doch auch mal wieder intensiver Radfahren. Gedacht und getan, ab Januar 2017 saß ich regelmäßig auf dem Rad und schnell hatte ich die Szene der "Jedermannrennen" im Focus, hier besonders den German Cycle Cup. Diese bundesweit aufgestellte Rennserie weckte mein Interesse und schon hatte ich für die ersten Rennen gemeldet.

 

23.04. Tour d‘ Energie Göttingen 100 Km

Als Neueinsteiger musste ich natürlich aus dem letzten Startblock starten (Startblock E). Dazu kamen noch Nachwirkungen einer Erkältung und grauenhaftes Wetter, dass war nicht mein Tag, dass hatte ich mir anders vorgestellt.

Gesamtwertung:  Platz 530         Altersklasse Master 3:  Platz 87

 

13.05. Circuit Cycling Hockenheim 120 Km

Wow, ein Radrennen auf einen Formel 1 Rennkurs, bestes Wetter (zumindest am Start) und es gab keine Startblockeinteilung, alle fuhren gleichzeitig los. Und wie die losfuhren, der Tacho war fast bei 50 Km/h festgenagelt und es herrschte eine hohe Hektik im Feld, in den ersten Runden schon viele Stürze bis es so heftig knallte, dass das Rennen abgebrochen wurde, um einen Rettungshub-schraubereinsatz gefahrlos durchführen zu können. Während der Rennunterbrechung zog dann ein Gewitter auf, was die Wartezeit in der Boxengasse nochmals verlängerte. Dann ging es endlich weiter. Ist Jemand von euch schon mal auf einer Formel 1 Rennstecke gefahren, wo ein Gemisch aus Wasser, Öl und Gummiabrieb schwimmt? Das ist nicht lustig.

Gesamtwertung:  Platz 173         Altersklasse Master 3:  Platz 25

 

 

21.05. Neuseen Classics Leipzig 60 Km

Endlich, auf Grund der Platzierung vom Hockenheimring durfte ich aus dem Startblock B starten.

Gesamtwertung:  Platz 92           Altersklasse Master 3:  Platz 19

 

 

11.06. SKODA Velodom Köln 70 Km

Rund um Köln, früher war das mal eines meiner Lieblingsrennen und ich war gespannt, wie das heute so aussieht. Bestes Wetter, sonnig und warm. Ein riesen Starterfeld und ich hing weiter im Startblock B fest. Der Scharfrichter war natürlich der Kopfsteinpflasterberg am Schloss Bensberg, da kam ich aber gut rüber und schon ging es langsam wieder Richtung Köln

Gesamtwertung:  Platz 125         Altersklasse Master 3:  Platz 17

 

 

25.06. Schleizer Dreieck 140 Km

Massenstart, keine Startblockeinteilung von Anfang an hohes Tempo und das an einem sehr windigen Tag, dass kann ja lustig werden (wurde es aber nicht). Auf einer sehr langen Geraden wurde natürlich auf Windkante gefahren, ich konnte mich da so eben halten und hoffte nur, dass das Elend endlich ein Ende nimmt. Nach dem dieser Streckenabschnitt absolviert war, schaute ich mal nach hinten um die Größe der Gruppe zu erfassen. Da war nix mehr, ich war in der Führungsgruppe und jetzt fing das Elend an. Hier ging es um den Sieg und entsprechend wurde gefahren. 5 Km vor dem Ziel hat es mich erwischt, ich war völlig platt, ich bin keinen Gullideckel mehr hochgekommen. Ich quälte mich ins Ziel wurde aber von einer Verfolgergruppe noch eingeholt und weit nach hinten durchgereicht.

Gesamtwertung:  Platz 75           Altersklasse Master 3:  Platz 7

 

 

29.07. Rad am Ring 75 Km

Endlich, Startblock A . Ich hatte natürlich reichlich Respekt vor dem Kurs. Hohe Acht und das im Renntempo. Das ging aber so eben gut, ich hatte ein anderes Problem und das hieß „Fuchsröhre“. Eine extrem schnelle Abfahrt und da war ich nicht drauf eingestellt. Meine maximale Übersetzung war 50 x 11, das war zu wenig, ich wurde in der Abfahrt abgehangen und das bei ca. 85 Km/h. In der ersten Runde schaffte ich es noch mal zur Spitze vorzufahren aber das macht man auch nur einmal.

Gesamtwertung:  Platz 115         Altersklasse Master 3:  Platz 14

 

 

13.08. SKODA Velorace Dresden 65 Km

Stadtkurs, Straßenbahnschienen, Spitzkehren, Kopfsteinpflaster. Früher bin ich sowas ständig gefahren, kann ich das noch? Ja, ich konnte es noch.

Gesamtwertung:  Platz 44           Altersklasse Master 3:  Platz 3

 

 

27.08. Deutsche Meisterschaft Nidda 98 Km

Wochen vorher war meine Zielsetzung unter den ersten 20 zu landen. Nach Dresden träumte ich von einer Top 10 Platzierung. Nach der Streckenbesichtigung hoffte ich, im Hauptfeld anzukommen.

Am Anfang wurde ein sehr hohes Tempo angeschlagen um die Spreu vom Weizen zu trennen, nun gut, das war mir klar und ich konnte das Tempo auch gut mitgehen. Danach beruhigte sich das Fahrerfeld etwas und abgesehen von kleineren Attacken passierte nicht viel. Die letzte Runde musste entscheiden. Mit Vollgas ging es in den langen Berg, wäre er nur 100 Meter länger gewesen, wäre ich geplatzt. So kam ich soeben rüber, mal kurz die Gruppe beäugt und ich war schlagartig wieder hellwach. 13 Fahrer waren übrig, mein Minimalziel war in Reichweite und so ging es im hohen Tempo Richtung Nidda. 6 Kilometer vor dem Ziel gab es eine unangenehme langgezogene Steigung, hier attackierte ein Fahrer und da ich mich noch gut fühlte, überlegte ich ob ich mitfahre. Oder soll ich doch im Feld bleiben?

Aber ich überlegte zu viel, die Situation war vorbei, ich musste im Feld bleiben. 2 Kilometer vor Nidda holten wir den Ausreißer wieder ein und es ging auf die lange Zielgrade. Ich war noch nie ein guter Sprinter!

Gesamtwertung:  Platz 7

 

 

29.09. – 1.10.   Rothaus Riderman Cup Bad Dürrheim

1. Etappe            16 Km Einzelzeitfahren 200 HM                                                                                                       2. Etappe            110 Km 1.700 HM                                                                                                                              3. Etappe            90 Km 1.150 HM

Das Einzelzeitfahren habe ich versemmelt. 3 Minuten auf die Spitze meiner Altersklasse, wie viel  ich auf den Gesamtsieger verloren habe, schreibe ich nicht, dass ist peinlich.

2. Etappe:  Ich musste Zeit gut machen und fuhr entsprechend, so platt war ich schon lange nicht mehr.

3. Etappe:  Über Nacht konnte ich mich gut erholen, sehr gut eigentlich. Andere Fahrer aber auch und so konnte ich den Rückstand nur noch marginal verbessern.

 

Gesamtwertung:  Platz 323         Altersklasse Master 3:  Platz 40

 

 

Jetzt wurde es eng. In der Gesamtwertung des German Cycle Cup lag ich nun auf Platz 83 und hatte nur wenige Punkte Vorsprung auf Platz 100. Das ist insofern wichtig, da die ersten 100 Fahrer für das kommende Jahr automatisch im Block A gesetzt sind. Ich musste also noch in Münster fahren und das nur mit einem Tag Pause.

03.10.2017 Münsterland Giro 65 Km

Flache Runde, die einzigen Schwierigkeiten waren der Wind und die regennasse Straße.

Gesamtwertung:  Platz 66           Altersklasse Master 3:  Platz 17

Das reichte um noch einmal ein paar Punkte einzufahren.

Endergebnis 2017   Gesamtwertung:  Platz 82     Altersklasse Master 3:  Platz 14

 

 

Anfang der Saison war mir nicht bewusst, wie hart in der Jedermann-Szene gefahren wird, das habe ich mir leichter vorgestellt. Die wöchentlichen Trainingsrennen in Venlo machten sich im Laufe der Saison aber bemerkbar, ohne diese wäre ich wahrscheinlich hoffnungslos untergegangen. Jetzt ist Erholung angesagt aber nach der Saison ist vor der Saison und ab November startet ja schon wieder die Vorbereitung für 2018.

Euch alles Gute und mit sportlichen Grüßen
Jost